Charyn Canyon und einen Tag vor dem Opferfest 2026

Was machte die Fahrt durch die staubige Steppe im Südosten Kasachstans, nahe Almaty, einen Tag vor dem Opferfest 2026, so spannend?
Ganz einfach: Der Verkehr wird… sagen wir mal… sehr schaflastig.

Überall rumpeln Lastwagen und Transporter voller blökender Passagiere über die Straßen. Aus manchem Kofferraum schaut plötzlich ein wolliger Kopf heraus und auf dem Gepäckträger eines Moped festgezurrt lugt ein Schaf stoisch nach hinten, als hoffe es inständig, dass es nicht auf dem Weg zur Schlachtbank ist. Die Tiere leben alle noch. Aber sowohl Menschen als auch Schafe ahnen: Das ist eine Reise mit begrenzter Zukunftsperspektive.

Unser Führer erklärt, dass die Tiere auf speziellen Schlachtplätzen nach islamischer Tradition geschlachtet werden. Das Opferfest gehört in Kasachstan zu den wichtigsten muslimischen Feiertagen. Es erinnert an die Bereitschaft Ibrahams, Abrahams, seinen Sohn zu opfern und an das große Vertrauen, das er in Gott hat. Die Spannung zwischen Gehorsam zu Gott und der Liebe zum Kind ist ein Thema, das offensichtlich die Religionen fasziniert. Heutzutage ist das Opferfest auch in Kasachstan ein großes Familienfest: Man besucht Verwandte, bewirtet Gäste, teilt Fleisch mit Bedürftigen und sitzt wahrscheinlich stundenlang zusammen.

Und wir, einen Tag vor dem Opferfest? Wir sitzen im Auto zwischen Staubwolken und Schaftransporten und entwickeln plötzlich großes Mitgefühl für die wolligen Zeitgenossen. Natürlich mit einer gewissen Doppelmoral. Denn auch wir essen zu Ostern völlig selbstverständlich Alblamm — allerdings hübsch angerichtet, weit entfernt von Steppe, Moped und Blöken im Gegenwind.

Wir wollen den Charyn Canyon besichtigen. Über Millionen Jahre hat hier der Fluss eine Landschaft geschaffen mit gewaltigen Felsformationen und tiefen Schluchten. Die Farben wechseln mit dem Gesteinsmaterial von tiefschwarz bis rot.

Bei der roten Variante ist eine Wanderung zum Flussbett möglich und zwar durch das sogenannte Valley of Castles. Dies ist der Abschnitt des Canyons, der wie eine Felsenstadt wirkt. Über Millionen Jahre haben Wind, Wasser und Erosion den Sandstein geformt – und dabei eine Landschaft hinterlassen, die wie eine riesige, verlassene Festungsstadt wirkt. Felsen ragen wie Türme in den Himmel, andere Formationen erinnern an Mauern, Bastionen oder zerfallene Stadttore. Dazwischen ziehen sich schmale Pfade durch das Gestein, als würde man durch die Überreste einer uralten, vergessenen Zivilisation laufen.

Die Wanderung ist leicht zu schaffen und unten angelangt kann man sich mit einem klapprigen Bus wieder nach oben kutschieren lassen. Beim Abstieg herrschte noch eine relative Morgenfrische, so bin ich ganz froh, dass wir aus zeitlichen Gründen hochkutschiert werden. Von Minuten zu Minute wird es nämlich heißer.

Beim schwarzen Teil des Canyons, „Black Canyon“ hat sich der Fluss einen Weg durch Basaltstein geschaffen. Hier schauen wir uns die Flusslandschaft von oben an, der Blick ist gewaltig. Dann gibt es Lunch in einem „Roadside-Restaurant“. Danach geht es wieder zurück.

Auch der Moon Canyon gehört zur spektakuläre Felslandschaft des berühmten Charyn Canyon-Gebiets. Die Landschaft wirkt hier fast außerirdisch – mit hellen, stark erodierten Hügeln, Türmen und Felsformationen.

Der Tourismus wird im Moment stark gefördert. Noch ist der Charyn- Canyon eher ein Geheimtipp. Doch die Menschenmassen nehmen zu. Neben unserem Lunchrestaurant entsteht ein riesiger Neubau für ein Restaurant inmitten der Steppe. 

Almaty 2026

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