6 New York – Tag 7 und 8

Tag 7

Heute besichtigen wir das Museum of Modern Art. Wovon würde eine Maschine träumen, nachdem sie die Sammlung des MoMA gesehen hat? Für „Unsupervised“ hat der Künstler Refik Anadol (*1985) künstliche Intelligenz eingesetzt, um mehr als zweihundert Jahre Kunst im MoMA zu interpretieren und zu transformieren. Anadol ist für seine bahnbrechenden Medienarbeiten und öffentlichen Installationen bekannt. Mit dieser Installation hat er unserer Meinung nach etwas Einzigartiges geschaffen. Wir sind fasziniert von dieser wandfüllenden Installation. Sie verändert sich ständig und wir könnten stundenlang zusehen.


Ich bin begeistert, dass es eine Sonderausstellung über Georgia O‘Keefe gibt. Zu Beginn ihrer Karriere lebte sie in der Nähe der Appalachen. Georgia O’Keefe nutzte die Möglichkeiten der Aquarellmalerei, um die Schönheit der Hügel des Shenandoah Valley einzufangen, genau die Gegend, die wir in Woche 4 besuchten. Georgia O’Keefe sagte: „Oh, I’m simply soaked with mountains of all kinds – so full I’m almost nauseous – drunk with it“ („Oh, ich bin einfach durchtränkt mit Bergen aller Art – so voll, dass mir fast übel wird – betrunken davon“). ). Ja, so waren wir auch in Woche 4, als wir den Blue Ridge Parkway und den Skyline Drive abgefahren sind. Das Bild gefällt mir deshalb so gut, weil es mich an die Woche in den Appalachen erinnert.

Würden wir in NYC wohnen, hätten wir eine Dauerkarte für das MoMA. Heute schlendern wir an den Highlights im 5. Stock vorbei, der Sammlung von Kunstwerken, die zwischen 1880 und 1940 gemalt wurden und erfreuen uns an Werken, die wir in Europa noch nie gesehen haben. Wir hätten gerne mehr Zeit gehabt.

Für den Nachmittag planen wir den Besuch einer weiteren Parallelwelt, des Stadtteils Williamsburg, in dem vor allem ultraorthodoxe und chassidische Juden leben. Wir nähern uns dieser Welt auf dem Weg an, den wir meistens wählen, wir gehen essen.

Zunächst müssen die U-Bahnlinie finden, die uns in die Nähe des koscheren Diners „Gottlieb’s“ transportiert. Wir kreuzen hier einen weiteren Broadway, den Broadway in Brooklyn.

Im Gottlieb’s soll es authentisches koscheres Essen geben. Wir werden freundlich begrüßt und gefragt, was wir essen möchten. Wir fragen nach einem Tipp. Man empfiehlt uns eine Gersten-Gemüsesuppe und ein Pastrami-Brötchen. Beides schmeckt köstlich. Auf die leckeren „Kugeln“, also Kuchenstücke, z.B. Apfelkuchen, verzichten wir, da wir noch bei Bäckereien vorbeischauen wollen.

Es folgt ein Spaziergang durch South Williamsburg zwischen Division Avenue und Heyward Street. In diesem Teil von Brooklyn Williamsburg scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Das glitzernde, hippe New York ist nur eine U-Bahn-Station entfernt und doch scheinen Galaxien dazwischen zu liegen. Die Frauen sehen aus wie aus einem Film der fünfziger Jahre. Überknielange, weite Röcke, dazu flache Schuhe und Strumpfhosen, obwohl es heute warm ist. Alle tragen Perücken und turbanähnliche Kopftücher, die die Haare vollständig bedecken. Die Männer sind mit langen schwarze Gehröcke bekleidet. Unter den hohen schwarzen Hüten kringeln sich Schläfenlocken, dazu ein langer Bart.

Wir fühlen uns eingeschüchtert und fehl am Platz, wie Eindringlinge. Aber wie gesagt, wir nähern uns immer über das Essen an. In einer Bäckerei kaufen wir Nussschnecken und einen super süßen Kaffee. Interessant, hier könnte man sich durch superleckere Salate essen. In der Bäckerei in der gleichen Straße müssen wir noch die gefüllten „Locken“ probieren.

Hier fragt uns der Bäcker interessiert, ob wir aus Deutschland kämen. Ich fühle mich ertappt, als wäre ich diejenige, die Holocaust-Täter in der Familie vorweisen kann. Peter meint, ich spinne, der Bäcker sei nur an uns interessiert und wolle sich nur nett mit uns unterhalten. Vielleicht war es so. Aber ich bin froh, als ich wieder in der U-Bahn nach Chelsea sitze.

Vielleicht kennt ihr autobiographische das Buch „Unorthodox“ von Deborah Feldman oder den dazugehörigen Film? Sie wuchs hier in Williamsburg auf. Ihre Autobiographie hat uns beide sehr beschäftigt. Sie beschreibt das Leben der chassidischen Gemeinde. Sie wertet nicht, aber durch die Beschreibung des Lebens bekommt man einen tiefen Einblick in die Welt hier und vor allem der Enge dieser Gemeinschaft. Deborah Feldmann hat ihre Koffer gepackt und diese Welt verlassen. Genau das machten wir jetzt auch. Es ist nicht unsere Welt.

Was macht man am letzten Abend in New York? Wir beschließen, ein Rooftop-Restaurant zu besuchen. Für das 230 Fifth entschieden wir uns nur deshalb, weil es nur wenige Minuten von unserem Hotel entfernt ist und weil es einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von Manhattan und das Empire State Building bieten soll. Beide Kriterien wurden erfüllt.

Leider war die Bar überfüllt und laut. Ein Gast geriet mit dem Barkeeper in Streit. Worum es ging, wurde nicht klar, aber der Barkeeper und der Gast verschwanden und das verleidete uns diese Location. So wollten wir unseren letzten Abend in New York nicht ausklingen lassen.

Wir entschieden uns für einen 30-minütigen Spaziergang zum „Gallow Green“, einer Rooftop-Bar in der Nähe der Highline. Das war eine super Entscheidung von uns.

Die Bar war einfach magisch. Es gab Live-Musik, wir hatten einen Blick auf die Skyline von Manhattan und das Essen war super. Oktopus auf Gartengemüse und Hühnchen mit Salat, beides phantasievoll gewürzt. Wir sind glücklich.

Letzter Tag – Abreise

So, jetzt heißt es Koffer packen und die Zeit bis zum Abflug um 14 Uhr gemütlich verbringen. Das heißt, wir gehen ein letztes Mal in unser nettes Frühstückscafé. Wir wählen zwischen sage und schreibe 18 verschiedenen Aufstrichen für unseren Bagel. Alle, die wir probiert haben, waren sehr lecker. Besonders gut schmeckten uns Frischkäse mit Frühlingszwiebeln, Frischkäse mit getrockneten Tomaten, kleine Gemüsestücke mit Frischkäse, Frischkäse mit Chili, Frischkäse mit Eiersalat, Frischkäse mit Cheddar und Bacon.
Dann checkten wir aus und laufen zum nahe gelegenen Madison Square Park. Wir wunderten uns über den Bereich, der für Hunde reserviert ist, ein sogenannter „Dog Run“.

In dem kleinen Dog Rund tummeln sich mindestens 20 Hunde. Der Madison Square Park ist ein Ort, an dem man sich treffen kann, nicht nur mit anderen Hunden und deren „Herrchen“. Es gibt einen Spielplatz, auf dem sich heute kleine Kinder mit ihren Nannys aufhalten. Es ist ein Raum, der allen gehört. Wir schreiben ein wenig und schauen dem bunten Treiben zu. Zum Abschluss gehen wir in das nahe gelegene Eataly, das eine unglaublich reichhaltige, leckere und vielfältige Auswahl an italienischen Lebensmitteln bietet, die an „Live-Cooking-Stationen“ zubereitet werden. Eine Mischung aus Deli und Restaurant. Das hat uns sehr gut gefallen.

So, und nun geht es tatsächlich wieder in die „Alte Welt“ zurück! Wir freuen uns auf zuhause.

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