Speyer – auf dem Weg in den Norden

Meine ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mich mit vielen Wander- und Ausflugszielen aus ihrer jeweiligen (Wahl-)Heimat in die Rente geschickt. Vielen Dank, liebe Karin, für deine Tipps in der Pfalz! Eigentlich gäbe es hier noch viel mehr zu sehen und zu erleben. Für dieses Mal haben wir uns auf Speyer beschränkt.

Wir kommen gegen 18:00 Uhr an und nach dem Einchecken ins Hotel führt uns der erste Weg – wie soll es auch anders sein – zum Dom. Ein beeindruckendes Gebäude durch seine schiere Dimensionen!

Aus der Luft stellt es ein riesiges Kreuz dar, am Schnittpunkt steht der Hauptaltar. Die mittelalterliche Zahlensymbolik spielt eine große Bedeutung. So besteht das Hauptschiff aus 6 überkuppelten Gewölben, die für die Wochentage stehen. Im 7. Abschnitt befindet sich der Altar und der 8. Abschnitt, der Chor, symbolisiert das Jenseits oder das, was nach dem 7. Tag kommt, wenn man nicht wieder beim Montag anfangen muss. Da lässt sich nun trefflich drüber philosophieren!

Die Maximilianstraße bildet die Achse zwischen Dom und Altpörtel, stellvertretend für die weltliche und die geistliche Macht. Leider ist der Altpörtel wegen Corona geschlossen und deshalb entgeht uns die Aussicht auf den Pfälzer Wald. Wir drehen eine kurze Runde, bevor uns der Hunger und der Durst in die Hausbrauerei Domhof in der Großen Himmelsgasse 6 treibt: auch ein Tipp von Karin. Wir sitzen draußen im Biergarten.

Das Essen ist herzhaft und sättigend und das Bier lecker. Danach spazieren wir noch an den Rhein, bevor wir müde und zufrieden ins Bett sinken.

Am nächsten Morgen fragen wir Handwerker nach einem Frühstücks-Tipp. Sie schicken uns zum Café Schlosser in der Maximilianstraße 10 – ein wunderbarer Platz um lecker im Freien zu frühstücken.

Bevor wir weiter nach Münster, unserem nächsten Zwischenstopp, fahren, nehmen wir uns noch Zeit, um den Judenhof zu besichtigen. Die Synagoge wurde um 1100 erbaut. Im Mittelalter war Speyer neben Worms und Mainz, den SchUM-Städten, ein Zentrum des askenasischen Judentums. SchUM ist ein Akronym der drei Städtenamen, bestehend aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, auf Latein zurückgehenden hebräischen Städtenamen (schumstaedte.de).

Die Mauern der mittelalterlichen Synagoge, der Frauenschul und die Mikwe, das rituelle jüdische Tauchbad, wurden restauriert und sind zu besichtigen. Wir sind die einzigen Besucher und der ruhige, friedliche Morgen steht im Kontrast zur wechselvollen, leidvollen Geschichte dieser Baulichkeiten. Es gab verschiedene Progrome, eine Brandspur zeugt vom urkundlich belegten Progrom von 1196 im Zusammenhang des Kreuzzugs von Heinrich VI. Mitte des 16. JH. wurde das Gelände nicht mehr genutzt und verfiel. 1837 wurde in der Maximilianstraße eine neue Synagoge erbaut, die im November 1938 von den Nazis zerstört wurde.

Wir steigen die Mikwe hinab bis zum Becken, das sich auf Grundwasserniveau befindet. Kaum vorstellbar, dass hier vor fast 1000 Jahren das Leben pulsiert hat.

Da es gestern zu spät war, um die Krypta im Dom zu besichtigen, schauen wir uns nochmals den Dom an. Dieses Mal bekommen wir Tickets und einen Audioguide und natürlich sehen wir nun Dinge, an denen wir am Vorabend achtlos vorbeigegangen sind. Wir betrachten die Steinmetzarbeiten am Hauptportal mit den symbolischen Darstellungen von Tugenden und Laster. In der Krypta mit der Grablege berührt uns das Grabdenkmal Rudolfs von Habsburg mit seiner lebensgetreuen Darstellung der Gesichtszüge. Solche realistischen Darstellungen waren im Mittelalter nicht üblich.

Speyer wirkt wie ausgestorben. Es sind nur wenig Menschen auf der Straße. Liegt es am Montag Vormittag? Klar, die Pfingstferien sind vorbei und die Kinder sind in der Schule. Aber auch am gestrigen Sonntagabend war die Stadt leer. Auf unserem nächsten Zwischenstopp Münster erleben wir ein Kontrastprogramm!

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