Nowruz – “Sorge dich nicht”

Heute am 20.03.2021 (in Deutschland um 10.37 Uhr) wird im Iran das Nowruz-Fest, ein Frühlingsfest, gefeiert. Nowruz wird jedoch in vielen Gegenden Zentralasiens, im Nahen und Mittleren Ostens, aber auch auf dem Westbalkan, dem Kaukasus und in der kurdischen Türkei begangen. Die Verbreitung dieses Festes in diesen Regionen reicht bis weit ins Jahr 500 vor Christus zurück. All diese Völker gehörten damals zum persischen Reich. Auf einer Reise durch den Iran, zum Frühlingsanfang, beeindruckten mich 3 Dinge hinsichtlich Nowruz am meisten:

1) Persepolis im südlichen Iran

Die Säulenhalle, die Apadana, diente als Audienzsaal am Nowruzfest für die verschiedenen Abgesandten. Hier trafen sich die 28 Vertreter der dazugehörigen Völker des Achämenidenreichs (500 vor Christus) immer einmal im Jahr. Diese Säulenhalle war überdacht, damit die Bewirtung an Nowruz wetterunabhängig verwirklicht werden konnte. Was für eine gute Idee! Wenn ich mich richtig erinnere, passten 1000 Personen in diese Halle.

2) Familienfest

Nowruz ist ein Familienfest und ganz Iran ist unterwegs an diesen Tagen. Ich habe keine Ahnung, wie das 2021 mit “Corona” verwirklicht wird. Damit die Übernachtung klappt, sind die iranischen Familien erfindungsreich. Sie nächtigen vor den Häusern der Verwandten auf Gehwegen in Minizelten oder ganze Klans treffen sich und eine kleine Zeltstadt entsteht. Ich habe noch nie so viele Menschen “wild” zelten gesehen. Aber anders sind die Treffen in der Familie wohl nicht verwirklichbar.

3) Shiraz, Das Grab des Hafez

Gerne wird das “Neue Jahr”, Nowruz, am Grab des Hafez (Persischer Dichter 1315-1390 n. Chr.) begonnen. Auch wir waren pünktlich zum Start von Nowruz an dieser Stätte. Der Garten war voll von Menschen, viele hatten einen “Mini-Nowruz-Altar” (siehe unten) dabei. Beim Frühlingsbeginn klatschen alle, freuen sich, umarmen sich. Unser Reiseleiter lotste uns in eine stille Ecke und las uns folgendes Gedicht von Hafez vor:

Josef, der Verlorene kehrt heim nach Kanaan, sorge dich nicht, 
Die Trauerhütte wird einst zum Blumenhain, 
sorge dich nicht. 

O leidendes Herz, du wirst genesen, nimm’s nicht so schwer, 
Diese wirren Gedanken werden sich wieder ordnen, 
sorge dich nicht. 

Wenn des Lebens Frühling wieder die Wiese erreicht, 
Wirst eine Blumenkrone du tragen, o Bolbol, 
sorge dich nicht. 

O Herz, wenn des Unheils Flut die Wurzel des Seins zerstört, 
So du Noah zum Steuermann hast, um den Sturm 
sorge dich nicht. 

Der Lauf der Welt mag uns manchmal nicht entsprechen, 
Nicht immer sind die Zeiten gleich, darum 
sorge dich nicht
.

Verharre im Hoffen, nichts weißt du vom Geheimnis des Verborgenen, 
Lass hinterm Schleier die verborgenen Spiele, du 
sorge dich nicht. 

Wenn vor Freude auf die Kaabe dich deine Schritte in die Wüste lenken,
Und die Dornen der Moghilan (eine Dornenpflanze) dich mit Schmerzen bedenken, 
sorge dich nicht. 

Auch wenn der Weg voll Gefahr ist und das Ziel sehr weit,
Kein Weg ist ohne Ende, darum 
sorge dich nicht. 

O Hafiz, im Winkel der Armut, in der Einsamkeit dunkler Nächte, 
Hab ein Gebet auf den Lippen, die Lehre des Koran vor dir und 
sorge dich nicht
.

Quelle: http://www.eslam.de/manuskripte/gedichte/hafiz/hafiz_josef_der_verlorene.htm

Beitragsfoto:

Mein Mann und ich vor einem “Nowruz-Altar” – Haft Sin nahe des Hafez-Grabmals:

Haft Sin ( persisch هفت‌سین‎ ): Die sieben „S“ sind verschiedene Dinge, die mit „S“ beginnen und die Tafel für das Fest schmücken. Sabze bedeutes „Grünes“ und wird meist mit einem kleinen Topf Weizengras symbolisiert. Sir, also Knoblauch, und Sib, Äpfel, werden auf den Tisch gelegt. Eine Schale Samanak wird dazu gestellt: Das Weizengericht ist eine typische Neujahrsspeise. Außerdem werden Schalen mit Serkeh (Essig), Sumak (ein Gewürz) und Sensched (Mehlbeeren), aufgestellt. Aber auf den meisten Nowruz-Tischen sieht man noch viel mehr Speisen oder Objekte, die mit „S“ beginnen: Sonbol (Hyazinthen), Sekeh (Silbermünze), Sangak (Brot) … Des Weiteren stellen Iraner noch einen Spiegel, Kerzen und bemalte Eier dazu, sowie je nach Glaube noch das heilige Buch. Und zum Schluss noch einen Goldfisch im Glas. Die vielen Gaben sollen Gesundheit, Freude, Wohlstand, Liebe und alles Gute bringen.

Quelle: https://www.swp.de/panorama/Nowruz-Nouruz-persische-iranische-Neujahrsfest-Fruehlingsfest-beginnt-am-20-Maerz-44332548.html

2 Kommentare

  1. Dein Beitrag zum Nowruzfest hat mir richtig gut gefallen, weil mir so viel Neues erzählt wurde.
    Mir wurde bewusst, dass Mensch – egal wo sie auf der Welt zuhause sind- ähnliche Bedürfnisse haben: Nähe zu ihren Lieben leben, die Lust zu feiern, mit Symbolen an Vergangenes erinnern und Hoffnung pflegen! Das Gedicht von Hafez passt auch in unsere Zeit. Beeindruckend!
    Gitte

    1. Ja, das macht für mich Reisen aus! Übern Tellerrand schauen, in andere Welten eintauchen und teilzunehmen. Das war im Iran besonders intensiv. Das Hafez-Gedicht ist wirklich sehr tröstlich! So sorgen wir uns nicht und vertrauen auf ein Morgen.

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