Mutscheln
Anlässlich des World Bread Day 2026, den Zorra von kochtopf.me veranstaltet, stelle ich eine weitere Backspezialität aus der Nachbarstadt Reutlingen vor. 2026 waren es die „Kimmicher”. Nun sind es Mutscheln. Nein, es dreht sich hier nicht um Muscheln, sondern um Mutscheln. Mutscheln gibt es nachweislich seit dem Mittelalter. Ein Rezept aus dem Jahr 1526 gibt es leider nicht. Heutzutage wird der Mutscheltag gefeiert. Dieser findet jährlich am ersten Donnerstag nach Dreikönig statt. Was wird da gemacht? Die Mutscheln werden zwar an diesem Tag gebacken. Um jedoch in den Genuss einer Mutschel zu kommen, muss man diese zumindest teilweise durch ein Würfelspiel gewinnen. Die älteste dokumentierte Erwähnung des Würfelns um dieses Gebäck stammt aus dem Jahr 1848. Um das Gebäck wird also gespielt. Die Würfelspiele haben lustige Namen. „Nackets Luisle”, Nackte Luise, gefällt mir vom Namen her am besten. Aber auch „Langer Entenschiss“, „Bauernfenster“ und „Der Wächter bläst vom Turme“ gefallen mir. Hier findet ihr weitere Würfelspiele und vor allem die Anleitung zu den Spielen: https://www.reutlingen.de/mutscheltag.Mutscheln sind von Dezember bis Ende Januar bei Bäckern in Reutlingen und Tübingen erhältlich. Auf Bestellung sind sie das ganze Jahr zu erhalten.Schaut euch jetzt einmal die Mutschelform an. In der Mitte bleibt ein „Hügel” stehen und drumherum seht ihr acht Zacken. Im Moment gibt es drei Erklärungen zur Form der Mutschel:– Die Erhebung in der Mitte stellt den Hausberg von Reutlingen, die Achalm, dar. Die Zacken stehen für die acht Handwerkszünfte.– Die Mutschel symbolisiert den Stern von Bethlehem. – Die Mutschel symbolisiert eine Wurfscheibe.Wie auch immer, Mutscheln schmecken lecker. Traditionell werden sie mit Schwäbischem Wurstsalat gegessen. Mit diesem Rezept könnt ihr sie jederzeit selbst backen. Im Sommer schmecken sie sensationell mit frischen Tomatenscheiben, Basilikumblättchen auf einer Schicht Frischkäse und Mozzarella.Im Januar 2026 habe ich einen zweistündigen Backkurs beim Bio-Bäcker Berger in Reutlingen gemacht (unentgeltliche Werbung). Hier lernte ich das Formen der Mutscheln. Herr Berger erklärte uns die Zusammensetzung des Teigs und sein Rezept könnt ihr hier nachlesen.Jetzt nach 9 Monaten geht mir das Formen der Mutscheln nimmer von der Hand. Man sollte halt immer üben.Short in English:To mark World Bread Day 2026, I’m introducing another baked specialty from the neighboring city of Reutlingen. In 2026, it was the “Kimmicher.” Now it’s the Mutscheln. No, this isn’t about mussels—it’s about Mutscheln. Mutscheln have been around since the Middle Ages, as documented. Unfortunately, there’s no recipe from the year 1526. Nowadays, Mutschel Day is celebrated. It takes place annually on the first Thursday after Epiphany. What happens on that day? The Mutscheln are baked on this day. However, to enjoy a Mutschel, you must win it—at least in part—by playing a dice game. The oldest documented mention of rolling dice for this pastry dates back to 1848. So people play games to win the pastry. The dice games have funny names. “Nackets Luisle” (Naked Luise) is my favorite name. But I also like “Langer Entenschiss” (Long Duck Poop), “Bauernfenster” (Farmer’s Window), and “Der Wächter bläst vom Turme” (The Watchman Blows from the Tower). Here you’ll find more dice games and, most importantly, instructions for playing them: https://www.reutlingen.de/mutscheltag.
Kochutensilien
- 1 Küchenmaschine
- 1 Schüssel mit Deckel
Zutaten
Hefeteig
- 500 g Mehl
- 270 ml Milch
- 80 g Butter weich
- 7 g Salz
- 5 g Zucker
- 15 g Hefe frisch, bei Übernachtgare
- 1 Eigelb mit etwas Milch verdünnt zum Bestreichen
Anleitungen
Hefeteig
- Die Hefe in der lauwarmen Milch und dem Zucker auflösen.
- Diese Mischung in die Küchenmaschine geben.
- In der Küchenmaschine die Butter, das Mehl, das Salz zugeben und ca. 5 Minuten zu einem Teig rühren.
- Der Teig sollte ziemlich fest sein.
- Den Teig in eine Teigschüssel mit Deckel geben und über Nacht oder länger in den Kühlschrank geben.
- Am nächsten Tag 5 Portionen à 140 g abstechen und zu Kugeln rollen. Ungefähr 25 g zu 3 Strängen rollen und ein Zopf daraus flechten.
- Nun jeweils eine Kugel zu einem runden Fladen ausdrücken und mit einem Teigmesser laut Foto einschneiden. Die Mitte etwas herausfordern, so dass sie sich erhebt.

- Um die "Kugel" legt ihr den Zopf oder eine andere Verzierung.
- Den die restlichen Einschnitte nochmals etwas verstärken und zu "Zacken" formen.

- Mit dem Eiwasch bestreichen. Die Mutscheln nochmals 30 Minuten mit einem Küchentuch bedeckt gehen lassen.

- Den Backofen auf 200° Unter/Oberhitze vorheizen und die Mutscheln 30 Minuten goldgelb backen.
- Falls ihr sie belegen wollt, solltet ihr sie abkühlen lassen. Dann nach Wunsch belegen.



