Lebensentscheidungen – entscheiden wir, andere oder das Leben?


Zunächst entscheidet das Leben: In welchem Land sind wir beheimatet, in was für einer Familie wachsen wir auf?


Ich wurde in eine Mittelschichtsfamilie hinein geboren, als Wirtschaftswunderkind. Was für ein Glück.

Eine erste große Entscheidung stand beim Übertritt in eine weiterführende Schule an. So groß waren die Entscheidungsmöglichkeiten nicht. Es gab ein Gymnasium in der Kleinstadt und die Schulnoten waren dafür passend.

In der 7. Klasse sollte ich zwischen Latein und Französisch wählen. Mein Vater entschied: „Mädle brauchen kein Latein“. 

Kurz vor dem Abitur quälte mich die passende Studien- und Berufswahl. Latein war bei vielen Optionen die Voraussetzung – oh je! 


Also blieb ich nach kleinen Umwegen beim Studium der Sozialpädagogik hängen. 

Dann stand die Familiengründung an, das Zusammenleben mit meinem Mann und später unseren Kindern. Entscheiden wir uns da immer bewusst? Wachsen wir nicht eher in die Familienaufgaben hinein? Und können wir später, wie ich, sagen: Ich bin mit einem wunderbaren Mann verheiratet und wir haben die besten Kinder, die man sich wünschen kann!


Oder die Stellenwahl. Natürlich lehnen wir das eine oder andere Stellenangebot ab. Jedoch wählen wir nur unter jenen Stellen, die uns angeboten werden. Die Arbeitgeber*innen entscheiden sich zunächst für uns. Hier war für mich Tübingen wichtig und der Wochenmarkt. Mein Wunsch war, vor der Arbeit um 7 Uhr in der Früh dort einzukaufen.


Mein Haus, mein Auto, mein Boot! Das Boot fiel flach in Süddeutschland, das Auto war entschieden, so stand das Haus an. Da stellte sich die Frage nach den Verbindlichkeiten. Was können wir uns leisten? Und gefallen sollte es auch! Unsere Wahl fiel auf DIE Wohnung. Sie gefiel uns.


Entscheiden wir, andere oder das Leben? Das ist eine komplexe Geschichte!

Eine Lebensentscheidung erfordert Überlegung, Mut, Nachfühlen und Abstimmung. Oft auch einfach Glück. Eine gute Entscheidung birgt oft erst mit der Zeit Herausforderungen. Zum Beispiel ergeben sich im Beruf Konstellationen, die es schwierig machen, damit umzugehen. Ein Chef mit dem man nicht kann, Umstrukturierungen und ähnliche Fallstricke tun sich auf.

Dann kann man ja nicht die ursprüngliche Entscheidung rückgängig machen. Sofern ich meine Probleme nicht selbst, mit Peter und Freundinnen und Freunden lösen konnte, suchte ich mir Hilfe in Beratung und Therapie.

So kann ich nun in der Rückschau sagen, “Je ne regrette rien”, ich bereue nichts.

Die meisten Lebensentscheidungen sind bei mir gefallen. Irgendwann steht der Umzug in eine Pflegeeinrichtung an. Auch kann ich vorab den Friedhof wählen. Grabstellen habe ich mir schon mal angeschaut, Gräber auf dem Tübinger Stadtfriedhof. Da kann ich mich für eine Grabstelle entscheiden, die Grabpflege übernehmen und eine Feuerbestattung wählen. Noch bin ich unentschieden…

Zum Foto:

Das Orakel am Heiligtum Poseidon befindet sich am Kap Tenaro auf der Halbinsel Mani. Manchmal wäre es schön, ein Orakel befragen zu können und bei Entscheidungen um Hilfe zu bitten.

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