Von Delphi nach Olympia

Delphi

Jeder und jede hat Sehnsuchtsorte. Einer von uns war und ist Delphi. Vielleicht reizte uns das Orakel, das bis zur Zeitenwende 800 Jahre lang Menschen anlockte. Delphi, der Nabel der Welt, hatte eine enorme politische Bedeutung! Hier liefen die Nachrichten der ganzen antiken Welt zusammen und Kriege und Schlachten nahmen hier ihren Ausgang. Das angeblich unparteiische Orakel sprach zu den Ratsuchenden und entschied doch parteiisch. 

Wir betreten Delphi durch die römischen Agora. Die Römer übernahmen ab 191 v. Chr. hier die Herrschaft und mussten sie zeigen.

Danach führt die Heilige Straße steil bergan bis zum Apollontempel, vorbei an zahlreichen Schatzhäusern. Jede bedeutende griechische Polis hatte in Delphi ein Schatzhaus, heute sind die Reste dieser entlang der Heiligen Straße zu sehen! Das Schatzhaus der Athener wurde Anfang des 20. Jh. wieder aufgebaut und ist ein besonderes Schmuckstück. Und tatsächlich wurden in den Schatzhäusern auch Schätze aufbewahrt.

Der Apollontempel ist das Zentrum von Delphi, hier sprach Pythia ihre Weissagungen, offensichtlich vage genug, so dass alles möglich war.

Etwas oberhalb des Apollontempels befindet sich das im 4. Jh. errichtete Theater und es ist noch besonders gut erhalten. 

Am höchsten Punkt des antiken Delphi liegt das bestens erhaltene Stadion, sogar die Startblöcke der Läufer sind noch zu sehen.

Was für uns Delphi weiter zu einem Sehnsuchtsort macht, ist die berückend schöne Lage. Delphi zieht sich am steilen Hang des Parnassósgebirges entlang. Von oben hat man einen weiten Blick über Olivenhaine bis hin zum Golf von Korinth.

Ganz besonders hat es uns das Heiligtum der Athéna Pronaia aus dem 4. Jh. v. Chr. angetan. Vom Tholos, einem Marmorrundbau, wurden 1938 drei Säulen errichtet. Die Lage ist bezaubernd und man kann hier tatsächlich den Tag verträumen. Wir lassen diesen Ort in der Spätnachmittagssonne auf uns wirken.

Das Museum wäre einen eigenen Beitrag wert. Wir belassen es an dieser Stelle bei einem Hinweis auf die wunderbar erhaltene weltberühmte Bronzestatue eines unbekannten Wagenlenkers. Sein Mund umspielt ein feines Lächeln und die Augen aus farbigem Stein verleihen dem Gesicht eine unfassliche Lebendigkeit.

Eine kleine Wanderung ist am nächsten Tag angesagt, wenn wir uns schon im Parnassósgebirge befinden. Wir entscheiden uns für die Höhle der korykianischen Nymphen oder wie eine weitere Quelle besagt, der rituellen Heimat des Dionysos. Es ist eine leichte Wanderung von der Hochfläche Achladokambos aus. Die Höhle selbst liegt auf 1310 m Höhe und der Blick entspricht dem Blick vom antiken Delphi auf den Golf von Korinth, jedoch einfach nochmals 700 m höher gelegen! Wir sind begeistert.

Danach lohnt eine Erfrischung in der kleinen Stadt Arachova. 

Olympia

Die Fahrt von Delphi nach Olympia führt an den Golf von Korinth. Die Küstenstraße nach Patras ist bei sonnigem Wetter ein Erlebnis. Die Sonne tanzt auf dem Wasser, die Olivenbäume wiegen silbern glitzernd im Wind und bei der stetigen Tempobeschränkung ist es ein gemütliches Fahren mit dem PKW. 

Wir haben uns für einen Stopp im Städtchen Nafpaktos entschieden. Die wechselvolle Geschicke dieses Städtchens haben ihre Spuren hinterlassen, wurde es doch von den Dorern, Römern, Byzantinern, Venezianern und Türken erobert. Nafpaktos hieß im Mittelalter Lepanto und bei der Seeschlacht von Lepanto verloren die Türken vorübergehend ihre Vorherrschaft im Mittelmeerraum.

Heute dominieren der venezianische Hafen und die venezianische Burg das Stadtbild von Nafpaktos. Früher war der Hafen ein wichtiger strategische Ort, heute lädt er zu einem Mittagspäuschen ein.

Danach ist der Spaziergang zur Burg Pflicht. Uns nimmt der wunderbare Blick von dort oben (200 Höhenmeter) auf den Golf von Korinth und die faszinierende Rio-Andirrio-Hängebrücke gefangen.

Diese Brücke führt über den Golf auf die Peloponnes und zu unserem Ferienörtchen Arkoudi. Zwei Tage Seeluft schnuppern muss auch bei einem Bildungstripp drin sein.

Und unsere Wahl gefällt uns. Arkoudi ist in der Nachsaison ein gemütlicher Ort, um mal die alten Steine Steine sein zu lassen.

Olympia

In Olympia ist es ratsam, die Besichtigung mit dem ansprechend neu gestalteten Museum zu beginnen! Durch den Rundgang erhält man einen Eindruck der Anordnung der antiken Gebäude und kann danach die Exponate beim Rundgang im antiken Olympia den Tempel und Gebäudenresten zuordnen.

Das Museum – nur das Beeindruckendste

Die Antike war bunt. Zu sehen ist das unter anderem in den Räumen 2 und 3, einmal beim riesigen tönernen Scheibenakroter vom Ostgiebel des Heratempels und im Raum 3 beim bemalten Giebel des Schatzhauses von Gela.

Im Saal 5 verschlägt es uns den Atem: Der Ost- und Westgiebel des Zeustempels, mit der Schilderung des Wagenrennens zwischen Pelops und Oinomaos (ost) …

… und der Kampf der Lapithen gegen die Kentauren (West) sind beeindruckend schön.

Gleich gegenüber geht es mit der Marmorstatue der Siegesgöttin Nike weiter, wohl zerstört, jedoch eindrucksvoll präsentiert und dadurch ein Highlight.

Im Saal 7 sind Fundstücke aus der Werkstatt des Pheidias ausgestellt. Durch diese Fundstücke konnte die zerstörte Zeusstatue, eines der 7 antiken Weltwunder, einigermaßen rekonstruiert werden. 

Im Saal 8 steht der betörend schöne Hermes des Praxitiles – ein „Muss“! 

Das Ausgrabungsgelände – die Highlights 

Im Frühjahr radelten wir mit unseren Enkeln durch das Olympiagelände von München. Nun schlendern wir durch das antike Olympia, wo von 776 v. Chr. – 393 n. Chr. alle 4 Jahre die Olympischen Spiele abgehalten wurden. Danach wurden die Spiele als heidnisches Überbleibsel vom römischen Kaiser Theodosius verboten. Wie unterschiedlich sind doch die Gelände!

Hier in Olympia ist es weitläufig und die Ruinen verstecken sich malerisch hinter hohen Bäumen. Jetzt im November sind wenige Besucher*innen hier und die Ruhe und Beschaulichkeit passt stimmungsvoll zu den pittoresken Steinen und Säulen. Wir sind verzaubert.

Vorbei am Gymnasion, der quadratischen Palaestra (Ringerschule) mit ihren zahlreichen Säulen, …

… und dem Theokoleon (Priesterresidenz) geht es zur Werkstatt des Pheidias. Über dieser Werkstatt wurde später eine byzantinische Kirche errichtet. Dann geht es zur ehemaligen Luxusresidenz der Schönen-und-Reichen, dem Leonidaion. Die ärmeren Besucher der Spiele nächtigten in den umgebenden Wäldern.

Der Zeustempel im Zentrum hatte von seiner Errichtung 456 v. Chr. an 1000 Jahre lang allen Kriege und Naturgewalten standgehalten. Bei einem Erdbeben 552 n. Chr. wurde er zerstört. Um die Tempelanlage liegen riesige, gestürzte Säulentrommeln. Eine Säule ist wieder aufgerichtet und wir erhalten einen Eindruck von der Größe dieses Tempels. Hier erinnern wir uns an die Friese im Museum.

In der Nähe des Zeustempels stifteten die Spartaner anlässlich ihres Sieges über die Athener im Jahr 457 v. Chr. die Nikestatue. Die Nähe zum Zeustempels war das Symbol dieses wichtigen Sieges. 

Vom Palast des Nero stehen noch Mauern, leider ist er nicht zugänglich.

Dann geht es durch das schmucke, schmale Gewölbetor zum Stadion.

Bei uns Beiden erzeugt es Gänsehaut, hier ebenfalls „einzulaufen“. Wunderbar ist, dieses Stadion in Aktion zu sehen. Eine Schulklasse läuft um die Wette und die Siegerin erhält, wie bei den Olympischen Spielen, einen Kranz aus Zweigen eines wilden Olivenbaumes.

Vorbei an den Schatzhäusern kommt man zum Nymphäum, einer gigantisch großen, römischen Brunnenanlage, die ab 160 n. Chr. Olympia mit Frischwasser versorgte.

Der Heratempel ist der am besten erhaltenste Bau der Anlage. Hier fand man die Hermes-Statue. Sie wurde von den Römern dort aufgestellt.

Zuletzt kommt das Philippeion, ein Rundbau, der einzige, der eine weltliche Familie huldigt, erbaut und gestiftet von Alexander dem Großen, der somit seiner Familie hier ein Denkmal setzte.

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