Auf dem Weg ins Périgord: Mâcon und Limoges

Mâcon

Warum ausgerechnet Mâcon, ein Städtchen nördlich von Lyon? Ende 1993 kam ein verstörender Film von Peter Greenaway in die Kino: Das Baby von Mâcon. Ich habe ihn mit einem Freund damals gesehen und wir beide wussten nicht recht, was wir davon halten sollten. “Ulrich Greiner von der Zeit nennt den Film ‘ein Weihnachtsmärchen der finstersten Art, eine Orgie aus Mord und Musik, aus Wollust und Schrecken.'” (zitiert aus Wikipedia). Wir waren fasziniert, abgestoßen, aufgewühlt. Wie kam Peter Greenaway dazu, dieses Städtchen zum Schauplatz eines solchen Spektakels zu machen? Auf diese Frage habe ich nach wie vor keine Antwort!

Im Office de Tourisme erhalten wir einen Stadtplan mit einem Tipp für einen Stadtrundgang, der wie eine Schnitzeljagd aufgebaut ist. Die Schnitzel sind ins Pflaster eingelassene Dreiecke aus Messing.

Vergnügt folgen wir 2 Stunden lang den Pfeilen, mit einem Aperitif vorneweg in einem der Bistros am Platz St. Pierre.

Cathedral St. Pierre

Die Cathédral sieht alt aus, wurde jedoch historisierend 1859-1865 erbaut. Das ist spannend, weil bis in die Details der neuromanische Stil durch dekliniert wurde.

Montrével

Dafür ist das Stadthaus Montrével gegenüber älter, 1750 erbaut. Zunächst war dieser Stadtpalast in Privatbesitz, heute residiert die Stadtverwaltung drin.

Hôtel Soufflot

Auch das ehemalige Hospiz Charité “Hôtel Soufflot” ist spannend. Neben der Behandlung von Kranken, gab es schon früh eine Baby-Klappe.

Pont-Saint-Laurent

Wunderbar ist die alte Steinbrücke aus dem 11. Jahrhundert über die Saône. Überhaupt werden wir von der abendlichen Stimmung am Fluss in den Bann gezogen. Eine Band macht eine Stimmprobe, Jogger und Joggerinnen laufen sich fit, Großeltern und Eltern vergnügen sich mit den Enkeln oder Kinder. Die Stimmung lädt zum Verweilen ein. Doch wir wollen weiter.

Maison de Bois

Das Maison de Bois, zwischen 1490 und 1510 erbaut, mit seiner komplett aus Holz gestalteten Vorderfront, ist beeindruckend. Die Fabelwesen, die es bevölkern, tun ihr Übriges, es unvergesslich zu machen.

Vieux Saint-Vincent

Diese Kathedrale aus dem 6. Jahrhundert und 17. Jahrhundert wurde wegen des sandigen Schwemmlands der Saône unsicher. Nur die Vorhalle und die beiden Kirchtürme sind erhalten.

Passage des Amphores und römischer Wachturm

Von hier aus geht es durch die Passage des Amphores, wo gut zu sehen ist, dass nicht mehr gebrauchte Amphoren zur Untergrundsbefestigung, als Unterbau von Häusern benutzt wurden. Wenige Schritte entfernt steht noch ein fast vollständig erhaltener römischer Wachturm.

Hotel de Senecé

Das Hotel de Senecé ist ein der seltenen privaten Residenzen in Mâcon, die der Öffentlichkeit zugänglich ist. Wir sind zu spät dran für eine Besichtigung der Räume aus dem 18. Jahrhundert.

Square de la Paix

An der Square de la Paix liegen das Hôtel Dieu, ein ehemaliges Krankenhaus.

Die Cathédrale Saint-Vincent gegenüber leuchtet im abendlichen Licht. Hier fanden am 4. März 1869 die Beisetzungsfeierlichkeiten für Alphonse der Lamartine statt. Überhaupt dreht sich in Mâcon alles um ihn.

Hier noch ein Gedicht von ihm:

Der See


So sollen wir, an neue Ufer stets gespült,und ohne Wiederkehr in grenzenlose Nacht getrieben, im Ozean der Zeiten niemals auch nur einen Tag vor Anker gehen dürfen?


An einem Abend, weißt du noch, fuhr unser Boot ganz leise, man hörte zwischen Firmament und Welle nur von fern den Laut der Ruderknechte, die im Takti n deine ebenmäßigen Wellen schlugen.


„Oh Zeit, hemm deinen Flug! Und ihr, erwünschte Stunden,verharrt in eurem Lauf!Lasst uns die flüchtigen Wonnen ganz genießen von unseren schönsten Tagen!“


„So lasst uns lieben, lieben!Und die flüchtigen Stunden noch rasch genießen! Der Mensch hat keinen Hafen und die Zeit kein Ufer, sie fließt und wir vergehen!“

Limoges

In Limoges haben wir schon mehrmals Zwischenstation gemacht. Wir lieben das Hôtel de Paris mit seinem charmanten Besitzer, der das traditionelle Haus behutsam und geschmackvoll renoviert hat. Er hat uns schon mit wertvollen Tipps zum Erkunden der Stadt und zum Essen und Trinken versorgt.

Blick vom Hôtel de Paris auf den Art-Deco-Bahnhof von Limoges

Dieses Mal belassen wir es bei einem kleinen Bummel durch die Stadt, denn wir wollen uns genügend Zeit für den Besuch von Oradour-sur-Glane nehmen, siehe den Beitrag dazu.

Place de la Motte mit Les Halles centrales

2 Kommentare

  1. Ach! Frankreich ist soooo schön! Bei den Fotos bekomme ich Sehnsucht und will bald mal wieder
    eine Sommerzeit dort verbringen.

    1. Ich habe auch schon wieder Lust auf eine Reise ins Périgord – vielleicht sogar mal im Winter zur Trüffelernte!

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