Kuba, die Perle der Karibik, ist ein Land der Gegensätze. Durch das zeitlich längste Embargo, das ein Land erdulden muss, sind Kubaner und Kubanerinnen offensichtlich Meister der Improvisation geworden. Es wird immer eine phantasievolle, kreative Lösungen gefunden, um den Mangel auszugleichen. Doch das Wenige ist oft beschämend! Wir besuchten ein Umweltprojekt 6 km östlich von Havanna in der Bucht von Cojimar. Die Projektleiterin und ihre zwei erwachsenen Kinder empfingen uns in der Privatwohnung. Der Blick von der Terrasse auf die Bucht von Cojimar war zauberhaft.

Die Wohnung war blitzsauber geputzt. Auf dem nackte Betonboden stehen Stühle und Sessel, die ramponiert sind. Ein winziger Eckschrank mit wenigen Kostbarkeiten ist der einzige Schmuck. Es gibt keine Fenster im Betonhäuschen. Auch keine Türe sehe ich. Was für eine Armut.
So ist der Mangel oft schmerzlich.

Für Peter eine einfache Bandage für seinen verknacksten Knöchel zu bekommen, war erst nach 1 Woche möglich. Zunächst waren überall Bandagen vergriffen. Ja, er hatte sich gleich zu Anfang den Knöchel verstaucht. Wir besucheten eine Klinik und waren froh, dass der Knöchel nur verstaucht war. Mein Handikap mit meinem verletzten Brustwirbel, ich war auf Eis an Dreikönig gefallen, wurde von Tag zu Tag besser. Offensichtlich sollte das gemeinsame Motto „langsam tun“ heißen.

Im Überfluss gab es zu jeder Tageszeit Cocktails. So viele Mojitos, wie in der Zeit in Kuba, habe ich noch nie getrunken! Mein Schweiß roch sicher nach Rum und Minze.

Wir reisten mit einer zehnköpfigen Reisegruppe. Es war manchmal anstrengend, wir waren schon sehr verschieden. Dafür war unser Reiseleiter perfekt vorbereitet und wir wurden den ganzen Tag mit Infos über Kuba versorgt.

Zu Beginn war Havanna auf dem Programm, eine Stadt zum Verlieben.

Koloniale Bauten werden liebevoll restauriert oder verfallen gänzlich. Das Marode überwiegt.

Und dazwischen fahren die Oldtimer! Auch wir wurden mit einem durch das zauberhafte Viertel Miramar kutschiert.

Natürlich haben wir die vier Hauptplätze erkundet:

Plaza de San Franscisco
Plaza Vieija
Plaza des Armas
Plaza de la Catedral

Mitten in der Stadt gibt es auch Bauernmärkte, wo es Gemüse, Obst und Fleisch zu kaufen gibt. Die tägliche Versorgung ist offensichtlich aufwändig. Der Mangel, wie schon beschrieben, regiert. 

Dann ging es nach Santa Clara, der Stadt, wo Che die entscheidende Schlacht gewann, die Revolution siegte und Batista das Land danach verließ. Hier siegte bei Peter leider ein maroder Bordstein und vom nächsten bezaubernden Städtchen, Sancti Spiritus, bekamen wir deshalb herzlich wenig mit. Mir schmerzte der Rücken und ihm der Knöchel.

Sancti Spiritus

Gott-sei-Dank gab es am nächsten Tag in Trinidad eine internationale Klinik, die wir nach der Stadtbesichtigung aufsuchten. Die Röntgenbilder zeigten keinen Bruch. Nochmals Glück gehabt. 

Trinidad, Plaza Mayor

In Trinidad führen alle Straßen zum Plaza Mayor, dem historischen Zentrum. Gesäumt wird dieser Platz von allen Seiten mit beeindruckenden historischen Gebäuden. Trinidad ist touristisch, gefiel uns trotzdem sehr. Die Stimmung wirkte leicht und fröhlich und aus jeder Ecke tönte Musik! 

Zur wunderbaren Bergwelt fuhren wir am darauffolgenden Tag mit, jedoch war bei uns beiden keine Wanderung drin. Wir saßen im Grünen und ließen es uns gut gehen.

Unser nächstes Ziel war Cienfuegos. Hier bekamen wir eine Führung durch eine Zigarrenfabrik mit vorwiegend weiblichem Personal. Offensichtlich haben Frauen die nötige Feinmotorik und Ausdauer, 8 Stunden am Tag Zigarren zu drehen und mit dem geringen Lohn zufrieden zu sein. Kubaner*innen haben mehrere Jobs, um über die Runden zu kommen, sagt unser Reiseführer. Ein Zweitjob von den Zigarrendreherinnen ist, Zigarren schwarz zu verkaufen :-).

Ansonsten war Cienfuegos eine nette Stadt mit wunderbaren Gebäuden nahe dem Strand. Wir genossen zweimal einen Mojito im eklektischen Palast Palacio del Valle, 1001 Nacht nachempfunden, immer mit Blick auf die Karibik. Der Ausblick war überwältigend schön.

Von Cienfuegos ging es zur Schweinebuch, zum karibischen Meer und weiter in den Westen. Unser Ziel war Las Terrazas, ein Ökoprojekt. 

Nahebei besuchten wir zunächst eine seit fast 200 Jahre aufgelassene Kaffeefarm Antiguo Cafetal Angerona. Ein Deutsch-Franzose hatte eine schwarze Haitierin geheiratet und bewirtschaftete mit ihr zusammen dieses Anwesen. Diese „Mischehe“ war damals ein Skandal, besonders da er zudem seine Sklaven einigermaßen anständig behandelte. Heute sind nur noch Gebäudereste zu sehen, schaurig-schön im nachmittäglich düsteren Licht (es regnete später). 

Cafetal Angerona

Las Terrazas liegt mitten im wiederaufgeforsteten Urwald. Im Hotel fühlten wir uns wohl im Grünen und das abendliche Essen in einem vegetarischen Restaurant war köstlich und kreativ.

Nun ging es zu unserem westlichsten Punkt, dem Viñales Tal, wo begrünte Kalkkegel sich aus der roten Erde erheben, sogenannte Mogotes. Hier wagten wir eine Wanderung. Peter bereute dies später. Sein Fuß war dick geschwollen.

Viñales

Dann stand die Insel Cayo Levisa auf dem Programm, nun wieder am Atlantik. Nach einer abenteuerlichen Bootsfahrt, das Boot wirkte sehr überladen, wir standen dicht an dicht, war Entspannung pur angesagt. Das Meer schimmerte in allen Blau- und Grüntönen, wir saßen am weißen Strand unter Palmen – besser geht es nicht!

Cayo Levia

Oder doch? Die letzten vier Tage verbrachten wir am Strand in Jibacoa. Auch hier ist das Wasser saphirblau, der Sand weiß. An meinem 65. Geburtstag saß ich unter Palmen und genoss das Leben. Der Countdown zur Rente, noch 9 Monate, läuft!

Jibacoa

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