Eselwandern in den Vogesen

Großeltern sind dazu da, bestimmte Wünsche zu erfüllen, finden wir. So buchten wir eine Eselwanderung im Elsass, weil es ein Herzenswunsch unserer 9-jährigen Enkelin war. Nachdem wir von der Agentur Informationsmaterial erhalten hatten, u.a. auch Tutorials über den Umgang mit Eseln mit Verhaltenstipps, war ich doch unsicher, ob unser Vorhaben das Richtige war. Da wir keinerlei Erfahrung mit Huftieren hatten, schien mir das Auskratzen der Hufe eine große Herausforderung zu sein. Verunsichert hat mich auch die Frage nach der eigenen Fitness. Aber gebucht war gebucht.

Gleich zu Beginn der Sommerferien ging es los. Der Wetterbericht war nicht gut. Aber wir haben gute Regenkleidung dabei. Das sollte uns schützen.

Uns allen gefällt unser erstes Quartier in Obersteinbach. Von unserem Zimmer haben wir einen schönen Blick auf den Karpfenteich.

Auch das lustige Abendessen, wir sind 13 am Tisch, ist unterhaltsam. Da verschiedene Nationalitäten am Tisch sitzen, ist Englisch die Umgangssprache. Die Gastgeberinnen Deborah und Maïlis backen Flammkuchen, bis alle satt sind. Zum Schluss wird ein Apfelflammkuchen mit Calvados übergossen und angezündet. Dieser spektakuläre Effekt ist der krönende Abschluss des ersten Abends.

Am nächsten Morgen fahren wir zur Eselfarm. Unsere 2 Esel erwarten uns zu einer ersten 12 km Rundwanderung zur Ruine Lutzelhardt und dem Château Schoeneck.

Das Wetter ist super, es ist warm und die Sonne scheint. Auch unsere Enkelin darf ein kleines Stück auf dem Esel reiten, 40 kg kann Gavroche (= der Witzige/Freche) tragen und sie bringt weniger auf die Waage.

Unser Enkel und unsere Enkelin sind beide geschickt im Führen der Esel, weil sie sich klar und freundlich mit den Eseln ausdrücken können! Denn das lernen wir beide, Peter und ich, dass auch bei unseren 2 Eseln emotionale Kompetenz und nonverbale Kommunikation gefragt sind. Unsere Esel sind warmherzige Lernpartner und Weggefährten. 

Am zweiten Tag verdunkelt sich der Himmel. Es regnet schon, als wir die Satteltaschen aufschnallen. So bleibt es fast den ganzen Tag auf unserem 15 km langen Weg nach Langensoultzbach, zur zweiten Unterkunft bei Christine und Christoph. Der Weg durch die hügelige Waldlandschaft der Nordvogesen ist trotz der herbstlichen Stimmung bezaubernd. Es ist neblig und regnerisch und ab und zu lugt ein Zwerg hinter einem Baumstumpf hervor.

Fast unheimlich. In Langensoultzbach angekommen, füttern wir die Esel. Einen Eselhof gibt es hier nicht. Pflegen heißt striegeln und Hufe auskratzen. Bei Gavroche entdecken wir eine kleine Verletzung und schreiben eine WhatsApp an den Eselhof.

An den Abenden bei Christine und Christoph werden wir mit leckeren 3-Gänge-Menüs verwöhnt. Der Tisch ist liebevoll gedeckt und wir vier und zwei Wanderer, die wir von der ersten Unterkunft kennen, fühlen uns verwöhnt.

Am nächsten Morgen versorgt Katharina vom Eselhof in Obersteinbach Gavroche mit einer Salbe und einem kleinen Verband, so dass wir am Nachmittag noch einen 12 km langen Rundweg zum See (Plan d’eau de Wolfartshoffen) machen können. Die beiden Esel scheinen sich zu freuen, dass wir wieder gemeinsam unterwegs sind. Es klappt auch immer besser, eine Vertrautheit stellt sich ein.

Auch der 4. Abend verläuft in angenehmer, entspannter Atmosphäre. Schade, dass morgen unser letzter Tag mit den Eseln ist.

Leider erwischt uns am letzten Tag der eine oder andere Regenschauer! Aber der Weg gefällt uns, fast immer im Tal des Soultzbaches entlang.

Auch heute sind es 12 km! Noch nicht erwähnt habe ich die leckeren Lunchpakete, die uns Deborah und Christine mitgeben. An allen Tagen sind sie abwechslungsreich und erfreuen uns. Sie heben immer unsere Stimmung, besonders wenn es regnet. 

Da wir früh aufgebrochen sind, kommen wir am letzten Wandertag am frühen Nachmittag in Obersteinbach an. Wir haben es geschafft und sind überglücklich und gegen Abend verziehen sich sogar die Wolken!

Was hat bei diesem Abenteuer am meisten beeindruckt? Wenn wir Gavroche oder Garance unter Druck setzen, werden sie stur und störrisch. Sie sind eben Esel und reagieren dann genauso wie wir Menschen. Auch wir werden nicht gerne unter Druck gesetzt! Wir lernen, uns auf sie einzulassen! Und dann wird das Wandern zu einem Spaziergang in aller Ruhe und Gelassenheit. 

Was für ein tolles Erlebnis war und ist das, liebe Enkelin und lieber Enkel!

Unentgeltliche Werbung:

Buchung der Eselwanderung über wandertouren-frankreich.de

Beide Unterkünfte sind über booking.com buchbar (sehr empfehlenswert) :

Au Numéro 6, Obersteinbach

La Bouill’hôte, Langensoultzbach

2 Kommentare

  1. Liebe Regina, kurzweilig erzählt, mit herrlichen Fotos von Peter garniert und mit emotionalen und geografischen Feinheiten untermalt, macht das Lesen eurer Eselwanderung richtig Spaß. Selbst der Regen tat dem Erlebnis mit den tollen Enkeln keinen Abbruch. Man möchte die Tour nachlaufen und eure schönen Erlebnisse teilen.
    Das werden auch eure Enkel niemals vergessen. Opa, der Fotograf und Oma, die Geschichtenerzählerin haben ihren großen Enkeln einen Traum erfüllt und offenbar selber genossen.
    Wir freuen uns mit euch
    Gitte und Bernd

    1. Liebe Gitte, vielen Dank für deinen super netten Kommentar. Wir haben einfach nette Enkel, auch freuen wir uns auf unseren „gemeinsamen“ kleinen Enkel, den wir nächste Woche sehen werden :-). Viele Grüße, Regina und Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert