„Leckeres für jeden Tag“ sucht im Juni Rezepte zum Thema „Gutes im Glas“. Da musste ich erst einmal überlegen. Meine Oma und meine Mutter waren wahre Meisterinnen darin, Sommer und Herbst in Gläser zu füllen. Marmeladen, Eingemachtes, Chutneys und Kompotte reihten sich bei ihnen Vorrat an Vorrat.Für mich war diese Art der Vorratshaltung allerdings nie das Richtige. Ich koche lieber den ganzen Winter über mit frischen Möhren, Lauch und Kartoffeln, als im Sommer und Herbst stundenlang in einer heißen Küche einzukochen.Trotzdem wollte ich die Bloggerinnen-Aktion natürlich nicht auslassen.Die passende Idee fand ich überraschend in Dmitrij Kapitelmans Roman „Russische Spezialitäten“ (Hanser Verlag, Berlin, 2025). Darin erzählt er die Geschichte einer ukrainisch-jüdischen Familie aus Kyjiw, die in Leipzig einen Laden für osteuropäische Produkte betreibt. Zwischen Wodka, Pelmeni, SIM-Karten und allerlei anderen „russischen Spezialitäten“ spielt sich ein ebenso komisches wie berührendes Familiendrama ab.Der Ich-Erzähler liebt die russische Sprache, seine Mutter und seine Heimatstadt Kyjiw. Doch seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gerät die familiäre Nähe ins Wanken. Während die Mutter zunehmend russischer Propaganda Glauben schenkt und Putin unterstützt, versucht der Sohn verzweifelt, ihr die Realität des Krieges vor Augen zu führen. Kapitelman verbindet in seinem stark autobiografisch geprägten Roman Tragik, Humor und feine Ironie auf beeindruckende Weise.Bei einem Besuch von Freunden in Kyjiw wird er mit Wodka, gegrillten Steaks und Adschika verwöhnt – einer würzigen, aromatischen Paste aus der Ukraine.Und genau hier fand ich meine Lösung für das Thema „Gutes im Glas“: Ich bereite Adschika zu. Die pikante Würzsoße passt hervorragend zur Grillsaison und hält sich im Kühlschrank problemlos zwei bis drei Monate. Besonders gerne rühre ich sie unter Frischkäse und serviere diesen als würzigen Aperitif-Begleiter. So landet bei mir am Ende doch ein Stück Sommer im Glas – nur eben auf meine Art.